Der Migros gehen die Mayonnaise-Tuben aus
Die Verkäuferin in der St. Galler Migros-Filiale weiss nicht weiter: «Wir sind auch überrascht.» Ursache der Verwunderung sind Löcher im Regal, dort wo normalerweise die Mayonnaise-Tuben stehen.
Über die Gründe der Mayo-Misere lässt sich derzeit gut spekulieren. Bekanntlich kam es in den Preisverhandlungen mit dem Thomy-Hersteller Nestlé zuletzt zum Eklat. Seither fehlen manche Marken-Mayos bei der Migros.
Diese Vermutung hat auch die Ostschweizer Migros-Verkäuferin: «Vielleicht gibt es Lieferprobleme, weil nun viele Thomy-Kunden auf die Migros-Mayo ausgewichen sind.»
Nestlé? Eierknappheit?
Oder steckt möglicherweise Nestlé hinter den Migros-Mayonnaisen und produziert diese wegen des Preisstreits nicht mehr? Eine andere mögliche Erklärung wäre die Eierknappheit, die derzeit in der Schweiz herrscht.
Migros-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir bestätigt, dass in einigen Migros-Filialen die M-Classic-Mayonnaise derzeit nicht verfügbar sei. In Bezug auf die Spekulationen wiegelt sie jedoch ab. Die schweizweite Eierknappheit spiele keine zentrale Rolle. Und: «Die Migros-Mayo wird nicht von Nestlé hergestellt, sondern von einem anderen Lieferanten.» Um wen es sich dabei handelt, verrät sie aus Vertraulichkeitsgründen nicht.
«Die aktuelle Situation ist auf eine aussergewöhnlich hohe Nachfrage sowie auf vorübergehende Herausforderungen bei der Produktion durch unseren Lieferanten zurückzuführen», sagt Huguenin-dit-Lenoir. Somit hat der Lieferstopp von Thomy-Produkten laut der Migros keinen Einfluss auf die Produktion der M-Classic-Mayonnaise.
Die Migros stehe in engem Austausch mit dem Lieferanten, um die Situation zu lösen, sagt die Sprecherin. «Wir sind zuversichtlich, dass die M-Classic-Mayo baldmöglichst wieder verfügbar ist.»
Noch keine Thomy-Einigung
Eine Lösung im Verhandlungsknatsch mit Nestlé kann sie derweil noch nicht verkünden. «Hintergrund ist eine Preiserhöhung, die Nestlé für Thomy-Produkte gefordert hat und die wir aus sachlichen Gründen nicht akzeptieren konnten.» Man setze sich konsequent für faire und transparente Preise ein, die sowohl für die Kundschaft als auch für das Unternehmen selbst vertretbar seien.
Man arbeite derzeit auf Gruppenebene, also auch für die Tochterfirmen Migrolino und Denner, mit Nestlé an einer Lösung, um die Belieferung langfristig sicherzustellen, sagt Huguenin-dit-Lenoir. Sprich: Die Migros muss auf die Preis-Tube drücken. (aargauerzeitung.ch)
